Praxisbeispiel Lucktreppe Beatenberg BE

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IVS-Objekt BE 11.2.4 im IVS-GIS

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Lucktreppe mit Brüstungsmauer vor der Instandstellung (Foto: F. Bieri, Basler & Hofmann)

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Die Stufen sind zum Teil aus dem Fels geschlagen und zum Teil gesetzt. (Foto: J. Zurschmiede, Basler & Hofmann)

IVS-Objekt: BE 11.2.4

Bedeutung nach NHG: national, mit Substanz

Das Objekt im IVS-GIS ansehen.

Die Lucktreppe ist Bestandteil des rechtsufrigen Saumweges am Thunersee. Sie liegt auf halbem Weg zwischen Sundlauenen und den Beatushölen und setzt etwas oberhalb der Kantonsstrasse zum Aufstieg Richtung Beatushöhlen an. Letztere waren im ausgehenden Mittelalter Ziel von Wallfahrten gewesen, da hier der Legende nach der Heilige Beatus gelebt haben soll. Mit der Reformation wurde der Wallfahrt ein Ende gesetzt. Jedoch wurden die Beatushöhlen – dank der Heiligenlegende und der beeindruckenden Lage – bald vom Tourismus entdeckt. Der alte Karr- und Saumweg wurde im Laufe der Zeit mehrfach an veränderte Bedürfnisse angepasst. Die Lucktreppe in ihrer heutigen Form geht auf ein Sanierungsprojekt im Jahre 1938 zurück und erhielt ihren Namen von Hans Luck, einem ehemaligen Leiter des bernischen Arbeitsamtes.
Die detaillierte Geschichte des Weges kann im IVS-Streckenbeschrieb BE 11.2 nachgelesen werden.

Die Lucktreppe stellt den substantiell markantesten Bereich des Pilgerwegabschnittes zwischen Chrutbach und Sundlauenen dar. Ihre Stufen sind zum Teil aus dem gewachsenen Felsgestein geschlagen. Zum anderen Teil bestehen sie aus platziertem Fremdgestein. Einige Stufen waren betoniert. Die Treppe wies Schäden auf: Viele Stufen waren durch Abnutzung, Witterung und Steinschlag beschädigt. Die Trittsicherheit war deutlich eingeschränkt. In der Mauerkrone der talseitig begleitenden Brüstungsmauer fehlten einzelne Kronensteine.
Die Instandstellung der Lucktreppe im September/ Oktober 2012 ist Teil eines Massnahmenpaketes, welches rund 100 Massnahmen zur Instandstellung und Wiederherstellung einzigartiger Biotope und Kulturgüter entlang des gesamten Pilgerweges zwischen Thun und Unterseen umfasst. Die Arbeiten wurden von spezialisierten Fachleuten ausgeführt. Neben den fachlichen Anforderungen stellte der exponierte Arbeitsort eine zusätzliche Herausforderung dar: Da direkt unterhalb der Lucktreppe die Kantonsstrasse verläuft, durften bei den Instandstellungsarbeiten keine Steine hinunterfallen.

Ausführung: 2012
Instandstellungskosten: 43‘000.–

Instandstellen einer Treppe im Fels

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Beschädigte Trittstufen (Foto: A. Knecht, Impuls)

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Schadhafte Mauerkrone mit fehlenden Kronensteinen (Foto: A. Knecht, Impuls)

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Verstopfter Wasserdurchlass (Foto: J. Zurschmiede, Basler & Hofmann)

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Instandgestellte Stufen (Foto: A. Knecht, Impuls)

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Instandgestellte Mauerkrone (Foto: A. Knecht, Impuls)

Auf Grund von Abnutzung, Witterung und Steinschlag wiesen die Treppe und die Brüstungsmauern so starke Schäden auf, dass die Begehbarkeit eingeschränkt war. Regendurchlässe waren verstopft und Oberflächenwasser konnte nicht ablaufen. Gefror das Wasser, so sprengte es Felsrisse und Verfugungen. In der Folge lösten sich Steinteile aus den Trittstufen und brachen heraus. Die Brüstungsmauer besteht zum Teil aus porösem Sedimentgestein, welches witterungsanfällig ist. Auch hier löste sich das Fugenmaterial, sodass ganze Mauerkronensteine herausbrachen. Dadurch entfiel der Witterungsschutz für untere Mauerschichten, welche nun wiederum noch anfälliger für Schäden waren. Im Zuge der Instandstellung wurden loses Steinmaterial, poröse Mörtelreste und beschädigte Betonflicke entfernt. Der Wiederaufbau der Trittstufen erfolgte mittels möglichst grossformatiger Steinplatten, welche mit dem anstehenden Fels mittels Hydraulikkalk vermörtelt wurden. Die Anschlussstellen zwischen Stufen und Felswand bzw. Brüstungsmauer wurden ebenfalls vermörtelt, um das Einsickern von Oberflächenwasser und Unterspülen der Konstruktion zu vermeiden. Mit der Mauerkrone der begleitenden Brüstungsmauer wurde ähnlich verfahren. Die Krone wurde vollständig abgetragen, so dass verwitterte Mörtel- und Betonreste entfernt werden konnten. Zur Instandstellung wurde, soweit möglich, das ursprüngliche Steinmaterial wiederverwendet und mit Weisskalk verfugt. Auf den Einsatz von Beton konnte verzichtet werden.

Die Treppe wurde nach folgenden Grundsätzen instand gestellt:

  • Originalfels erhalten
  • Ursprüngliches und / oder gleichwertiges Steinmaterial verwenden
  • Fugenmörtel auf Steinmaterial abstimmen
  • Entwässerung sicherstellen
  • Betonflicke entfernen und durch Steinmaterial ersetzen

Da das zusätzlich benötigte Steinmaterial einem nur wenige hundert Meter entfernten Steinbruch entstammt, fügen sich neue und alte Materialien zu einem stimmigen Gesamtbild. Somit konnte der Lucktreppe wieder ein Erscheinungsbild gegeben werden, welches dem historischen Zustand nahe kommt und zugleich eine gute Begehbarkeit sicherstellt.

 

Grenzen der Übertragbarkeit

Das Objekt stammt zum Teil aus dem 20. Jahrhundert, zum Teil aus früheren Jahrhunderten und weist für den Standort typische Baumerkmale auf. Beim Übertragen der Baumethoden auf andere Projekte ist stets dem regionalen und historischen Kontext Rechnung zu tragen.

Kontaktadressen

  • Projektierung: Impuls AG, Wald Landschaft Naturgefahren, Anita Knecht, Seestrasse 2, 3600 Thun, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
  • Ausführung: Dapena AG, Bauunternehmung, Niessenstrasse 22, 3800 Interlaken
  • IVS-Fachstelle des Kantons Bern: siehe Adressliste

Quellen

  • Impuls AG, 2011: Treffpunkt Pilgerweg, Etappe Unterseen-Oberhofen, Detailmassnahmen. Verein Thunersee-Hohgant. Thun.
  • Uferschutzverband Thuner- und Brienzersee, 2012: Fotodokumentation M64/65. UTB. Thun.
  • Thuner Tagblatt, 24.10.2012: Lucktreppe: Juwel am Thunersee saniert. Thun.