Praxisbeispiel Septimerpass Bivio/Bregaglia GR

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IVS-Objekt GR 29 im IVS-GIS

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Grasbewachsene Bollensteinpflästerung am Septimerpass (Foto: J. Zurschmiede, Basler & Hofmann)

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Instandgestellte Bruchsteinpflästerung mit hangseitigem Entwässerungsgraben (Foto: J. Zurschmiede, Basler & Hofmann)

IVS-Objekt: GR 29.0.2/4/5 und GR 374

Bedeutung nach NHG: regional und national, mit Verlauf, mit Substanz und mit viel Substanz

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Seit der Römerzeit ist der Septimerpass ein wichtiger Alpenübergang. Der Septimerpass berührt – im Gegensatz zum Julierpass – das Engadin nicht und verbindet Bivio auf kurzer Horizontaldistanz mit dem Bergell auf der Alpensüdseite. Neben politischen Gründen wurde der Septimerpass dank dieser direkten Nord-Süd-Verbindung im Mittelalter – etwa ab dem 11. Jahrhundert – zu einem der wichtigsten Alpenübergänge. Der Ausbau des Septimers im 14. Jahrhundert durch den Bischof von Chur und den Bergeller Jakob von Castelmur zur (für kurze Zeit) befahrbaren Strasse konnte aber nicht verhindern, dass Gotthard und Splügen dem Septimer im ausgehenden Mittelalter den Rang abliefen. Die detaillierte Geschichte des Septimerpasses kann im IVS-Streckenbeschrieb GR 29 nachgelesen werden.

Obschon der Passweg zumeist in gutem Zustand ist, wies er 2012 doch an zahlreichen Stellen Schäden auf – verursacht durch Benutzung, Erosion und mangelhaften Unterhalt. Furten liessen sich nur noch bei Niedrigwasser passieren, Entwässerungseinrichtungen waren verstopft und verschiedene Trockenmauern vom Zerfall bedroht. In einem umfassenden Instandstellungsprojekt mit rund 30 Massnahmen wurden ab 2012 beschädigte Abschnitte der Wegpflästerung ergänzt, mangelhaft funktionierende Entwässerungen verbessert, Furten begehbar gemacht und zerfallende Trockenmauern instandgestellt.

Ausführung: 2012–2015
Instandstellungskosten: 236‘000.–

 

Instandstellen von Natursteinpflästerungen

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Ausfransender Pflästerungsabschluss (Foto: J. Zurschmiede, Basler & Hofmann)

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Instandgestellte Pflästerung in einer Kurve (Foto: J. Zurschmiede, Basler & Hofmann)

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Gepflästerter, dammartiger Wegabschnitt vor Instandstellung (Foto: F. Bieri, Basler & Hofmann)

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Der dammartige Wegabschnitt nach der Instandstellung (Foto: J. Zurschmiede, Basler & Hofmann)

Am Passweg über den Septimer finden sich verschiedene Abschnitte mit Natursteinpflästerungen. Sehr stabil gebaut und gut erhalten sind die Pflästerungen im südöstlichen Teil (bei Andadüra oberhalb Casaccia; GR 29.0.6), während der höher gelegene Abschnitt GR 29.0.5 in den Kurven ausfranst. Es wird angenommen, dass einige dieser Pflästerungen bis auf das 14. Jahrhundert zurückgehen.

Im Zuge der Instandstellung wurden schadhafte Bruchsteinpflästerungen ergänzt und mit massiven Abschlüssen versehen, um künftig ein Ausfransen zu verhindern. Die Abschlüsse bestehen aus aufgestellten Steinplatten, die  tief im Boden verankert werden. Auf den Einsatz von Beton konnte komplett verzichtet werden. Um eine lange Lebensdauer der Pflästerungen zu gewährleisten, wurde jeweils auf eine gute Entwässerung über Querrinnen und Längsgräben geachtet.

 

Massive Querrinnen aus Naturstein

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Intakte, massive Querrinne (Foto: J. Zurschmiede, Basler & Hofmann)

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Instandgestellte Querrinne mit tief verankerten Steinplatten, zugleich Pflästerungsabschluss (Foto: J. Zurschmiede, Basler & Hofmann)

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Schema einer idealen Querrinne (Abbildung: A.-L. Mage, Basler & Hofmann)

Am Septimerpass finden sich zahlreiche Querrinnen aus Naturstein. Einige wenige mussten instand gestellt werden, viele sind aufgrund der massiven Bauweise in gutem Zustand. Der Schlüssel zu langlebigen Querrinnen aus Naturstein liegt darin, dass für die Einfassungen der Rinne grosse Steinplatten verwendet werden, die tief in den Boden eingebunden werden können und deutlich unter die Rinnensohle reichen. Wenn Rinnenrandsteine die Rinnensohle nur um wenige Zentimeter überragen, sollten die Randplatten mindestens 20 bis 30 Zentimeter in den Boden eingebunden werden.

 

Furten

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Beschädigte Furt (Foto: J. Zurschmiede, Basler & Hofmann)

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Instandgestellte Furt mit einem Steg aus Steinplatten (Foto: H. Gredig, ZHAW)

Der Südaufstieg zum Septimerpass überquert einige Male den Fluss „Aua da Sett“. Da die Aua da Sett im Regelfall nur mässig Wasser führt, erfolgt die Querung über Furten und Holzlattenstege. Einzige Ausnahme bildet eine gemauerte Steinbogenbrücke aus dem Jahr 1991. Verschiedene Furten hatten 2012 Instandstellungsbedarf: Bei grösserem Abfluss waren sie kaum mehr begehbar; teilweise lief das Wasser von der Furt direkt in den historischen Verkehrsweg und führte dort zu Erosionserscheinungen. Um die Begehbarkeit zu verbessern, wurde das Abflussprofil in der Mitte der Furten vergrössert, die Uferpartien befestigt und die Trittsteine optimiert. In einem Fall wurden Steinplatten über die Lücken zwischen den Trittsteinen gelegt, so dass die Furt wie ein Steg begehbar ist. Ob sich diese Methode bewährt, wird sich bei den nächsten Hochwasserereignissen zeigen.

 

Grenzen der Übertragbarkeit

Das Objekt entstand vor dem 19. Jahrhundert und weist für die Bauepochen und den Standort typische Baumerkmale auf. Beim Übertragen der Baumethoden auf andere Projekte ist stets dem regionalen und historischen Kontext Rechnung zu tragen.

Kontaktadressen

  • Projektierung: Ingenieurbüro Martin Gini, Martin Gini, Stalvedro, 7457 Bivio, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
  • IVS-Fachstelle des Kantons Graubünden: siehe Adressliste

Quellen

  • Ingenieurbüro Martin Gini, 2011: Septimerpass – Unterhaltsmassnahmen mit Verbesserungseingriffen. Maloja.