Praxisbeispiel Felsenweg Bürgenstock Luzern LU
IVS-Objekt: LU 34
Bedeutung nach NHG: national, mit viel Substanz
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Der Felsenweg am Bürgenstock wurde zwischen 1903 und 1921 in der steilen Nordflanke des Bürgenberges angelegt. Er umfasst zahlreiche Kunstbauten wie aufgehängte und in den Fels gesprengte Wegpassagen, Brüstungen, trocken gemauerte Stützmauern und kurze Tunnelabschnitte. Aufgrund seiner tourismusgeschichtlichen Funktion als Promenadenweg, seiner exponierten Lage hoch über dem Vierwaldstättersee und seiner aufwändigen Anlage wird dem Weg nationale Bedeutung zugemessen. Die detaillierte Geschichte des Weges kann im IVS-Streckenbeschrieb LU 34 nachgelesen werden.
Seit seiner Fertigstellung im Jahre 1921 war der Felsenweg regelmässig Steinschlägen und kleineren Felsstürzen ausgesetzt, so dass er wiederholt ? teilweise sogar für mehrere Jahre ? gesperrt werden musste. Um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, wurden in den Jahren 2005-2008 am Felsenweg verschiedene Sicherungsmassnahmen umgesetzt.
Ausführung: 2005-2008
Instandstellungskosten: 3?600?000.-
Schutz vor Steinschlag
Das Hauptproblem am Felsenweg bestand in der fortwährenden Gefährdung durch Steinschlag. Um die optimalen Massnahmen zu eruieren, wurde ein geologisches Gutachten eingeholt. Zum Schutz der Wegbenutzenden wurde schliesslich ein Massnahmenpaket umgesetzt, welches unter anderem den Bau eines zusätzlichen Tunnels, den Ausbruch einer Halbgalerie und Steinschlagschutznetze beinhaltete.
Sicherung der Trockenmauern in unwegsamem Gelände
Über die Jahre haben die trocken gemauerten Stützmauern, welche den Weg in der steilen Felswand abstützen, an Stabilität verloren. Im Frühjahr 2007 versagte überraschend eine Stützmauer und riss eine kurze Wegpartie mit sich in die Tiefe. Um die Sicherheit der Wegbenutzenden zu gewährleisten, wurde an verschiedenen Stellen die Bausubstanz untersucht und daraufhin zahlreiche Trockenmauern am Felsenweg gesichert. Die Sicherung im unwegsamen Gelände erfolgte mit modernen Methoden: Wo nötig wurden die Mauern mit einem Überzug aus Spritzbeton, Armierungsnetzen und Felsankern stabilisiert. Die abgerutschte Wegpartie wurde mit einem Metallsteg überbrückt.
Mitfinanzierung von sicherheitsrelevanten Massnahmen in funktionalem Zusammenhang
Der Felsenweg beschäftigte nicht nur Ingenieure und Geologen, sondern warf auch Rechtsfragen auf. Das ASTRA kann nach der Natur- und Heimatschutzgesetzgebung nur Massnahmen unterstützen, die für die zweckmässige Erfüllung der Aufgabe "Schutz und Erhaltung von historischen Verkehrswegen" erforderlich sind. Beim Felsenweg wurden jedoch nicht nur denkmalpflegerische Massnahmen nach Natur- und Heimatschutzverordnung anerkannt, sondern auch Sicherheitsmassnahmen wie z. B. ein neuer Tunnel und Steinschlagschutznetze. Nur durch diese Vorkehrungen konnte der Weg überhaupt erst wieder genutzt und damit erhalten werden. Diese erweitere Auslegung der Natur- und Heimatschutzgesetzgebung wurde rechtlich eingehend geprüft. Beim Felsenweg als Hotelpromenade handelt es sich um eine Gesamtanlage, deren historischer und baulicher Wert nur mit ihrer integralen Nutzung, d. h. der Begehbarkeit auf der ganzen Länge, erhalten werden kann. Damit konnte ?die schönste Höhenpromenade der Welt?, wie der französische Aussenminister Louis Barthou (1862-1934) den Felsenweg einst bezeichnete, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Grenzen der Übertragbarkeit
Das Objekt stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und weist für die Epoche und den Standort typische Baumerkmale auf. Beim Übertragen der Baumethoden auf andere Projekte ist stets dem regionalen und historischen Kontext Rechnung zu tragen.
Kontaktadressen
- Projektträgerschaft: Stiftung Felsenweg, Guerino Riva, c/o Volkswirtschaftsdirektion Nidwalden, Dorfplatz 7a, 6370 Stans, geschaeftsstelle(at)felsenweg.ch
- Geologischer Gutachter: Keller + Lorenz AG (ehem. Mengis + Lorenz AG), Dr. Beat Keller, Tribschachenstrasse 61, 6005 Luzern, buero(at)keller-lorenz.ch
- IVS-Fachstelle des Kantons Luzern: siehe Adressliste
Quellen
Mengis + Lorenz AG, 2003: Felsenweg Bürgenstock ? Geologischer Kurzbericht. Luzern.











