Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS)

Historische Verkehrswege hinterlassen Spuren in der Zeit, schlagen Brücken von der Vergangenheit in die Gegenwart. Ziel des Bundesinventars der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) ist es, diese wichtigen Zeitzeugen zu erhalten und zu pflegen.

Aktuelles Fallbeispiel: Schützenmattstrasse in Lenzburg – sorgfältige Instandstellung eines lokalen Kleinods

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Ein harmonisches Ensemble - die Schützenmattstrasse in Lenzburg. (Foto: B&H)

Die Schützenmattstrasse in Lenzburg im Kanton Aargau ist eine wichtige lokale Verbindungsstrasse. Sie durchquert ein schönes Villenquartier und bildet mit ihrer Linienführung, der Pflästerung sowie den hangseitigen Stützmauern und den Einfriedungen der Villengärten ein harmonisches und gut erhaltenes Ensemble.

Starke Beanspruchung hinterlässt Spuren
In ihrer Funktion als innerörtliche Verbindung war die Schützenmattstrasse Jahrzehnte lang sehr stark beansprucht. Dazu trugen auch der lokale Linienbus und teilweise sogar Schwerverkehr bei. Ende der 70er Jahre sanierte die Stadt Lenzburg die Strasse. Dabei wurden eine Asphaltunterlage und darüber eine Pflästerung in Splittbeton verlegt. Eine Folge dieses Fahrbahnaufbaus war, dass die Strasse unzureichend entwässert wurde. Dies führte, zusammen mit der ausgeprägten Beanspruchung, zu starken Fahrbahnschäden.

Die vor der Instandstellung durchgeführte Sondage brachte zutage, dass der Asphaltunterbau noch intakt war. Daher beschloss die Bauherrschaft den bestehenden Asphaltunterbau zu belassen und auf diesem den Neuaufbau vorzunehmen. Die Entwässerung löste man, indem parallel zur Strasse laufende Entwässerungsrinnen in die Asphalttragschicht eingebaut wurden. Zudem entschied man sich, alle 20 Meter Querrinnen einzufräsen.

Dank verfugtem Einbau nahe am historischen Zustand
Der Aufbau der Fahrbahnoberfläche sollte dem historischen Zustand möglichst nahekommen. Da die Tragschicht dünn ist, waren die baulichen Möglichkeiten auf zwei Varianten beschränkt:

  • Technisch fachgerechter Aufbau mit unverfugten, in Splitt eingelegten Pflastersteinen: Wegen dem nur geringmächtig möglichen Splittbett hätte eine unverfugte Bauweise jedoch eine Konstruktion mit grossen Pflastersteinen (mindestens 11/13) nötig gemacht, die stabiler eingebettet werden können. Diese Bauweise hätte allerdings den vollständigen Ersatz aller historischen Pflastersteine nötig gemacht.
  • Aufbau mit original grossen, im Zement verlegten Pflastersteinen: Die zweite Möglichkeit bestand darin, die Bogenpflästerung wiederum mit den vorhandenen Steinen (8/11) aufzubauen. Um eine bessere Stabilität zu erreichen und das Einsickern von Wasser zu verhindern erwies es sich als nötig, die Steine mit Zement zu verfugen.

Für die Bauherrschaft, die Verantwortlichen der kantonalen IVS-Fachstelle und der Denkmalpflege sowie der IVS-Fachstelle des Bundes stand die zweite Lösung klar im Vordergrund. Denn die kleineren Pflastersteine sind optimal im Einklang mit dem Ortsbild und ergeben trotz des verfugten Einbaus ein wesentlich harmonischeres Ensemble. Die Gestaltung des Strassenraumes wurde ergänzt mit historischen Wehrsteinen.

Im 2018 wurde die Instandstellung erfolgreich abgeschlossen und die Schützenmattstrasse dem Verkehr wieder übergeben.

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Schützenmattstrasse in Lenzburg: Beim Aufbau der Fahrbahnoberfläche setzte man die originalen Pflastersteine ein und verfugte sie, um das Einsickern von Wasser zu verhindern. Für die Entwässerung baute man parallel (B) zur Strasse Entwässerungsrinnen in die Asphalttragschicht ein. Alle 20 Meter wurden zudem Querrinnen (A) eingefräst.

Im Fokus

Erschliessung des IVS Archivs in der Nationalbibliothek

Die Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek hat die Originaldokumente der Grundlagenarbeiten für das Bundesinventar der historischen Verkehrswege archiviert und erschlossen. Das IVS-Archiv wurde in die EAD-Sammlung (Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege) eingebunden und ist dort nun für alle zugänglich: Bericht über die Erschliessung

Erläuternder Bericht VIVS aktualisiert

Der erläuternde Bericht zur «Verordnung über das Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (VIVS)» ist die unverzichtbare Wegleitung für eine aktive Umsetzung der Verordnung – und damit auch für erfolgreiche Finanzhilfeprojekte. Eine neue, aktualisierte Auflage des Berichts, der auch den Verordnungstext enthält, ist auf der IVS-Webseite in Deutsch, Französisch und Italienisch verfügbar. In die neue Version des erläuternden Berichts sind die 2017 im Rahmen der Revision der Verordnung über das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (VBLN) vorgenommenen Anpassungen eingeflossen.

Historische Wege zwischen Bautechnik und Denkmalpflege
 

20150815 Vaud Romainmotier Prael JZU KHistorische Verkehrswege sind landschaftsprägende und oft auch bautechnisch und architektonisch hervorragende Kulturobjekte. Sie zu erhalten, ist anspruchsvoll. In einem lesenswerten Artikel fürs Fachmagazin Baublatt legt das Bundesamt für Strassen ASTRA dar, welche baulichen und denkmalpflegerischen Faktoren bei Bauprojekten zu beachten sind. Der Artikel kann hier nachgelesen werden.

Berücksichtigung der Bundesinventare in der Richt- und Nutzungsplanung

301296ed81Die Bundesämter für Umwelt BAFU, für Kultur BAK, für Strassen ASTRA sowie für Raumentwicklung ARE haben den Bundesgerichtsentscheid Rüti zum Anlass genommen, um aufzuzeigen, wie die Bundesinventare in der Richt- und Nutzungsplanung umgesetzt werden sollen. zum Download

Finanzhilfegesuche

Für eine Abwicklung von Finanzhilfegesuchen hat die Fachstelle des Bundes für die historischen Verkehrswege ein Vorgehensschema und Formulare entwickelt.