|
Wander- und historische Verkehrswege: gemeinsame
Erhebung des Unterhaltsbedarfs
Rund 8’000 Kilometer IVS-Strecken mit viel Substanz oder mit Substanz sind gleichzeitig markierte Wanderwege mit Naturbelag – die besten Voraussetzungen also für eine engere Zusammenarbeit zwischen Wanderwegen und historischen Verkehrswegen. Eine aktuelle Umfrage unter kantonalen IVS-Fachstellen und den Fachorganisationen Wanderwege zeigt: Die materiellen und rechtlichen Grundlagen dafür sind gegeben. Nun gilt es, diese Synergien zu nutzen.
Ein Beispiel dafür ist die Erhebung des Unterhalts- respektive Instandstellungsbedarfs von Wanderwegen und historischen Verkehrswegen. Dies wäre bei allen Wegstrecken, die auf demselben Trassee verlaufen, im Prinzip gemeinsam möglich. Mit einem Pilotversuch wollen daher das ASTRA und die Schweizer Wanderwege in drei Kantonen eine Methode für eine gemeinsame Zustandserhebung entwickeln. Dies in enger Zusammenarbeit mit den Wanderwegverantwortlichen und den IVS-Fachstellen.
Die Mitarbeitenden, die den Unterhaltsbedarf der Wanderwege erheben, sollen bei der jährlichen Kontrolle (Unterhaltsbedarf am Weg, Zustand Signalisation) mit geringem Mehraufwand auch Zustand und Bedarf für die Erhaltung der historischen Verkehrswege grob abschätzen. Mit dem Pilotversuch soll eine tragfähige Methode erprobt werden, die von allen involvierten Stellen akzeptiert und angewendet wird. Es ist vorgesehen, die Pilotversuche im Jahre 2020 durchzuführen.
|
|
|
IVS-Fachexkursion 2019:
Schollbergstrasse: auf den Spuren der ersten eidgenössischen Landstrasse
Die IVS-Exkursion führte im Mai 2019 entlang der instand gestellten alten Schollbergstrasse (SG 3.1.3, zwischen Sargans und Trübbach/Wartau) und zur historischen Schlichergraben-Brücke, die sich in unmittelbarer Nähe in der Rheinebene befindet. Erbaut zwischen 1490 und 1492 ist die Schollbergstrasse die erste im Auftrag der Tagsatzung erstellte eidgenössische Landstrasse. An ihrem Beispiel erläuterte Cornel Doswald, Projektleiter der Instandstellungsarbeiten, die vielfältigen Aspekte, die mit der Erhaltung historischer Verkehrswege verbunden sind. Gelöst werden mussten zum einen bautechnische und denkmalpflegerische Fragen, genauso wichtig war aber auch die solide Verankerung in den Standortgemeinden. Dass dies sehr gut gelungen ist unterstrich auch der Sarganser Gemeindepräsident Jörg Tanner an der IVS-Fachexkursion.

Die Instandstellung dauerte von 2009 bis 2016 und erforderte das koordinierte Zusammenwirken von verschiedenen Fachspezialisten. Sie alle haben dazu beigetragen, dass ein wertvolles Stück Verkehrsgeschichte und ein Kulturerbe von nationaler Bedeutung der Öffentlichkeit als Wanderweg wieder zugänglich ist. Ebenso wie die Schlichergraben-Brücke, ein lokales Kleinod, das auf die 1850er Jahre zurückgeht. Seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts diente die kleine Brücke lediglich noch als Unterstand für Landwirtschaftsmaschinen. Im Zuge einer Altlastensanierung des nahe gelegenen Schiessplatzes erinnerte man sich der historischen Substanz und leitete die Restaurierung des Zeitzeugens ein, die 2017 erfolgte.
|
|
|
Unterzeichnung der Konvention von Faro
Am 10. Juni 2019 haben die Eidgenössischen Räte das Rahmenübereinkommen des Europarats von 2005 über den Wert des Kulturerbes für die Gesellschaft – die sogenannte Konvention von Faro –genehmigt. Die Konvention geht von einem breit gefassten Begriff von Kulturerbe aus, der materielle, immaterielle und digitale Erscheinungsformen umfasst. Die Vertragsstaaten bekräftigen mit der Unterzeichnung ihren Willen, das Potenzial des Kulturerbes zu aktivieren, neue Zugänge zu schaffen und innovative Formen der Nutzbarmachung zu ermöglichen. Diese Ziele decken sich mit den Tätigkeiten des ASTRA zur Erhaltung der historischen Verkehrswege. Die Konvention fördert eine zeitgemässe Kulturerbepolitik und bestätigt die bisherige Arbeit von Bund und Kantonen. Zudem ist das Rahmenabkommen eine Grundlage für die künftige Ausrichtung der nationalen Kulturerbepolitik, die nicht nur Schutz bietet, sondern auch die Leistungen des Kulturerbes für die Gesellschaft sichtbar macht und gleichzeitig die Mitwirkung und Mitverantwortung der Bevölkerung stärkt.
|
|
|
Herausforderung Unwetterschäden
Die jüngsten Unwetterereignisse haben an vielen Orten auch historische Verkehrswege in Mitleidenschaft gezogen, beschädigt oder gar zerstört. Nebst den teilweise tragischen direkten Auswirkungen für die Bevölkerung ist damit oft eine bedauerliche Einbusse an kulturhistorischer Bausubstanz verbunden. Ganz abgesehen davon, dass altvertraute und identitätsstiftende Kulturgüter für Dörfer oder ganze Talschaften verloren gehen. Viele betroffene Bauwerke wurden nicht nur äusserlich, sondern in ihren tragenden und konstituierenden Elementen stark beschädigt. Das wirft auch denkmalpflegerische Grundsatzfragen auf: Rekonstruktion, Einsatz moderner Mittel, lediglich funktionale Wiederherstellung?
Im Unterschied zu «normalen» Erhaltungsprojekten kommt bei Schadenereignissen in der Regel ein erschwerender Zeitdruck dazu. Die Häufung von Schadenfällen führt darüber hinaus zu nicht plan- und budgetierbaren, oft hohen finanziellen Aufwendungen und belastet die bereits knappen Ressourcen des ASTRA für Erhaltungsprojekte. Dies kann dazu führen, dass weniger zeitkritische Instandstellungsprojekte etappiert oder kurzzeitig zurückzustellt werden müssen. Eine Herausforderung, die das ASTRA in den kommenden Jahren begleiten wird.

Hüscherabachbrücke, Splügen, Graubünden / Route des Diligences, Vernayaz, VS

Combe Boisse, Val-de-Ruz, Neuchâtel / Alte Averserstrasse, Graubünden
|
|