Zum Hauptinhalt springen

MitteilungVeröffentlicht am 14. Januar 2026

Alte Talstrasse Avers GR

IVS-Objekt: GR 780.2
Bedeutung nach NHG: national, mit Substanz und mit viel Substanz
Das Objekt im IVS-GIS ansehen.

Aus denkmalpflegerischen Gründen wurden die Brüstungsmauern nachträglich verputzt
Brüstungsmauern am Stäinstäg wurden rekonstruiert und waren 2009 noch unverputzt
Deutliche Zerfallserscheinungen an der Punt di Val di Lei vor der Instandstellung
Die instandgestellte Punt di Val di Lei
Die ursprünglichen Steinpfosten wurden nach Möglichkeit weiter verwendet
Frisch instandgestellter Stäinstäg im Jahr 2009
Grasbewachsener Stäinstäg mit einem kalkgemörtelten Gewölbebogen vor der Instandstellung
Stäinstäg zwei Jahre nach der Instandstellung
Teilstück der instandgestellten Talstrasse mit Stützmauern und Steinpfosten-Geländer
Verankerung eines neu gesetzten Kolonnensteines

Ausführung: 2003–2011
Instandstellungskosten: 2‘450‘000.–

Punt di Val di Lei

2005 wurde der schwierige Abstieg von der heutigen Strasse zur alten «Val di Lei»-Brücke angegangen. Die Punt di Val di Lei stammt aus den 1890er Jahren und weist eine Spannweite von 16 m auf. Sie führt über den Reno di Lei und liegt unmittelbar unter der heutigen, eleganten Betonbrücke «Ponte del Mut d’Avers». Bis 1960 verkehrte auf der historischen Strecke noch das Postauto. Um 1960, beim Bau der heutigen Strasse und der Ponte del Mut d’Avers, wurde die darunter liegende, alte Talstrasse mit Bauschutt überdeckt und konnte danach jahrzehntelang nicht mehr begangen werden.
Die Sanierung der schönen Steinbogenbrücke «Punt di Val di Lei» und ihrer Zugänge erfolgte im Jahr 2007. Im Zuge der Instandstellung musste der alte Verkehrsweg zuerst freigeräumt werden. Anschliessend konnten die talseitigen Stützmauern gesichert, vervollständigt oder wo nötig neu aufgebaut werden. Schwierigkeiten bereitete der abschüssige Fels, der an einzelnen Stellen eine besondere Verankerung der Mauerfundamente erforderte.

Steinpfostengeländer mit Holzholmen

Als Absturzsicherung kamen an der alten Talstrasse abschnittsweise Steinpfostengeländer mit Holzholmen zum Einsatz. Der Abstand zwischen zwei Pfosten betrug üblicherweise rund 3.5 m bis 4.0 m. Vor der Instandstellung waren die Geländer in einem schlechten Zustand: Die Holzholme fehlten, viele Steinpfosten waren in Schieflage, manche hatten sich bereits aus den Mauerkronen gelöst und waren heruntergestürzt.
Da der Aufwand für die Erstellung und den Unterhalt eines Steinpfostengeländers hoch ist, wurde da, wo kaum mehr Steinpfosten vorhanden waren, mit Kolonnensteinen vorlieb genommen. Mancherorts waren die Steine aber noch vorhanden; zudem konnten einige Steinpfosten im steilen Abhang gefunden und geborgen werden. So war es möglich, über längere Strecken die Steinpfostengeländer instand zu stellen, teils mit den originalen, teils mit neuen Geländerpfosten, die ihren historischen Vorbildern nachempfunden wurden. Um eine dauerhafte Verankerung der Steine in der Mauerkrone zu ermöglichen, einigten sich ASTRA und Bauherrin auf die Verwendung von Mörtel. Andere Lösungen schienen zu aufwändig, zu unsicher und zu teuer.

Stäinstäg Cröt

Der an der Talstrasse von 1890/1895 gelegene «Stäinstäg» in Cröt entstand als Teil der älteren Linienführung «Alter Talweg» und wurde 1645 erstmals erwähnt. Oberbau und Brüstungsmauern waren vor der Instandstellung nur noch teilweise vorhanden und mit Gras überwachsen. Nach der Entfernung des Bewuchses kam ein Plattenbelag mit grossen Steinplatten zum Vorschein. Um die Platten nach der Instandstellung des Brückenkörpers wieder verwenden zu können, wurden sie vor der Entfernung mit Hilfslinien markiert und durchnummeriert. Der alte Brückenkörper wurde ausgebaut und anschliessend bis unter den Plattenbelag mit einem Kalkbeton-Mauerwerk neu aufgefüllt und abgedichtet. Da verschiedene Platten beim Ausbauen zerbrachen, gelang es trotz der Kennzeichnung nicht vollständig, den Plattenbelag wieder originalgetreu einzubauen. Bei der Entfernung des Grasbewuchses wurde festgestellt, dass die Brücke ursprünglich mit Brüstungsmauern ausgestattet war. Die Höhe und das genaue Aussehen der Brüstungsmauern konnte aber nicht eruiert werden. In Anlehnung an vergleichbare Objekte aus derselben Zeit wurden schliesslich Brüstungsmauern mit einer Höhe von rund 0.6 m erstellt und mit Abdeckplatten versehen.

Grenzen der Übertragbarkeit

Die Talstrasse stammt aus den 1890er Jahren und weist für die Epoche und den Standort typische Baumerkmale auf. Der Stäinstäg ist wesentlich älter. Er wurde aus dem charakteristischen, hellen Gestein der Umgebung gebaut. Beim Übertragen der Baumethoden auf andere Projekte ist stets dem regionalen und historischen Kontext Rechnung zu tragen.

Kontaktadressen

Quellen

  • Verein alte Averserstrasse aASt, 2008: Stainstäg Cröt. Protokoll der Begehung vom Montag, den 28.7.08. Andeer.