Zum Hauptinhalt springen

MitteilungVeröffentlicht am 15. Januar 2026

Dorfpflästerung Hospental UR

IVS-Objekt: UR 1.3.5
Bedeutung nach NHG: national, mit Substanz
Das Objekt im IVS-GIS ansehen.

Detail der instandgestellten Dorfpflästerung vor dem Nachsanden
Die Dorfpflästerung von Hospental nach der Instandstellung
Nahaufnahme der instandgestellten Dorfpflästerung

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich der Gotthardsaumpfad als Folge des Franzosenkrieges in einem schlechten Zustand. Um der wachsenden Konkurrenz durch die Kunststrassenprojekte am Simplon, San Bernardino und Splügen entgegenzutreten, beschlossen die Stände Luzern, Uri, Basel Stadt, Solothurn und Tessin 1826 den Bau einer befahrbaren Kunststrasse über den Gotthard. Die Gotthardkunststrasse – fertiggestellt im Jahre 1830 – führte unter anderem auch über die rund 250 m lange Dorfpassage von Hospental. Die detaillierte Geschichte des Weges kann in den IVS-Streckenbeschrieben UR 1.3 und UR 1.3.5 nachgelesen werden.

Die Pflästerung im Dorf Hospental wurde im Laufe der Zeit mehrfach verändert. So zeigt zum Beispiel eine Postkarte aus der Zeit um 1900 noch zwei mit Steinplatten belegte Streifen als Fahrbahn. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts präsentierte sich die Fahrbahn mit einer durchgehenden Pflästerung und wies zahlreiche Schäden auf, namentlich Spurrinnen, Setzungen, Ausspülungen und Frostschäden. Im Jahre 2007 wurde die Pflästerung zusammen mit den darunterliegenden Werkleitungen instandgestellt.

Ausführung: 2007
Instandstellungskosten: 421‘000.–

Ungebundene Pflästerung

Im Bereich der Fahrbahn wurde die Pflästerung – analog zum Zustand vor der Instandstellung – als ungebundene Bogenpflästerung ausgeführt. Die alten Pflastersteine wurden soweit wie möglich weiterverwendet. Die Fahrbahn weist i. d. R. ein Dachgefälle mit 2 % Neigung auf. Der seitliche Abschluss der Fahrbahn wird durch eine gepflästerte Wasserschale gebildet. [BIGLER AG 2006: 14 f.]

Aufbau des Strassenkörpers [BIGLER AG 2006: 14]:

  • Oberflächenbefestigung: 0.14 m Pflastersteine
  • Oberbau: 0.30 – 0.45 m Kiessand I, 0/63, frostsicher
  • Unterbau: 0.30 m Materialersatz 0/120, frostsicher
  • Trennschicht: Vlies 200 g/m2
  • Materialersatz: nach Bedarf, Materialersatz 0/120, frostsicher

Pflästerung auf privaten Vorflächen

Der wahrnehmbare Strassenraum endete im vorliegenden Fall nicht am Parzellenrand der Wegparzelle des Kantons Uri, sondern an den Hausfassaden. Die privaten Vorflächen wurden daher ebenfalls in das Gesamtkonzept einbezogen. Die Gestaltung erfolgte differenziert unter Berücksichtigung der vorherigen Oberflächengestaltung. So wurden unter anderem Bogen-, Reihen- und Reussbollenpflästerungen eingebaut.

Grenzen der Übertragbarkeit

Das Objekt stammt ursprünglich aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts und wurde zwischenzeitlich durch Sanierungen teilweise überprägt. Beim Übertragen der Baumethoden auf andere Projekte ist stets dem regionalen und historischen Kontext Rechnung zu tragen.

Kontaktadressen

Quellen

  • BIGLER AG, 2006: Hospental – Sanierung Gotthardstrasse innerorts. Technischer Bericht. Altdorf.