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MitteilungVeröffentlicht am 11. Dezember 2025

Seestrasse Beatenberg BE

IVS-Objekt: BE 11.6.4
Bedeutung nach NHG: national, mit Substanz
Das Objekt im IVS-GIS ansehen.

Die rechtsufrige Thunerseestrasse zwischen der Beatenbucht und dem Steinbruch Balmholz ist heute eine vielbefahrene Kantonsstrasse. Trotz zahlreicher Ausbauten erinnern verschiedene Substanzelemente an den Bau der Kunststrasse im ausgehenden 19. Jahrhundert: Die imposante Linienführung, verschiedene Stütz- und Brüstungsmauern sowie einige Randsteine und Tunnels entsprechen noch dem Zustand von 1884, als die Kunststrasse eröffnet wurde. Die detaillierte Geschichte der Seestrasse kann im IVS-Streckenbeschrieb BE 11.6 nachgelesen werden.

Stellenweise fällt das Gelände von der Seestrasse klippenartig bis zum rund 50 Meter tiefer liegenden Thunersee ab. Der Absturzsicherung kommt entsprechend eine hohe Bedeutung zu. Es muss verhindert werden, dass Fahrzeuge die Brüstungsmauern durchbrechen und abstürzen. Einzelne Brüstungsmauern aus der Zeit des Kunststrassenbaus haben durch ihr Alter an Stabilität eingebüsst und genügen den modernen Sicherheitsanforderungen nicht mehr. In den Jahren 2010 und 2011 wurden die sanierungsbedürftigen Mauern so instand gestellt, dass einerseits die historische Bausubstanz möglichst erhalten, andererseits die modernen Sicherheitsanforderungen umgesetzt werden konnten. Obschon einige Kompromisse eingegangen werden mussten, konnte aus Sicht der historischen Verkehrswege eine befriedigende Lösung erzielt werden.

Ausführung: 2010–2011
Instandstellungskosten: 303‘972.–

Substanzschonende Umsetzung moderner Sicherheitsanforderungen

Die aktuellen Sicherheitsanforderungen verlangten expositionsabhängige Lösungen. Die Sicherheitsmassnahmen wurden unter Berücksichtigung folgender Kriterien bestimmt:

  • Wahrscheinlichkeit und Intensität eines Fahrzeugaufpralls
  • Gefährdung für die Brüstung durchbrechende Fahrzeuge

Situationsabhängig wurde die Brüstungsmauer auf eine Minimalhöhe von 0.85 m erhöht bzw. ein leistungsstarkes Fahrzeug-Rückhaltesystem eingesetzt. Zur Erhöhung der Brüstungsmauern wurden die Decksteine entfernt, eine zusätzliche Lage vergleichbarer Natursteine verbaut und die Decksteine wieder eingesetzt. Das Mauerbild und die historische Substanz konnten so weitgehend erhalten werden.

Wo eine erhöhte Rückhaltewirkung nötig ist, wurde ein L-förmiges Betonelement unter der Fahrbahn verankert, welches die Bruchstein-Brüstungsmauer talseitig verstärkt. Strassenseitig konnte das historische Brüstungsbild so weitgehend erhalten werden. Talseitig wurde entschieden, das moderne Betonelement nicht zu verkleiden und damit offenzulegen, dass die historische Substanz um eine moderne Konstruktion ergänzt wurde.

Mit den beschriebenen Massnahmen gelang es, ein attraktives historisches Ensemble weitgehend zu erhalten und zugleich die modernen Sicherheitsanforderungen umzusetzen.

Grenzen der Übertragbarkeit

Das Objekt stammt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert und weist für die Epoche und den Standort typische Baumerkmale auf. Beim Übertragen der Baumethoden auf andere Projekte ist stets dem regionalen und historischen Kontext Rechnung zu tragen.

Kontaktadressen

  • Projekt- und Bauleitung: Ingenieurbüro Urs Zimmermann, Urs Zimmermann, Mauren 548, 3803 Beatenberg, uzb(at)tcnet.ch
  • IVS-Fachstelle des Kantons Bern: siehe Adressliste

Quellen

  • ZIMMERMANN, Urs, 2010: Kantonsstrasse Nr. 221, Beatenberg–Unterseen, Massnahmen Passive Sicherheit. Bauprojekt. Beatenberg.
  • ZIMMERMANN, Urs, 2011: Instandstellung talseitige Brüstungsmauern, Kantonsstrasse Nr. 221, Baudokumentation. Beatenberg.